Stacy Hardy

Eine kurze Denkmalgeschichte

Abū Allāh ibn Muhammad ibn al-Mansūr, der Begründer des abbasidischen Kalifats und des antiken Bagdad, stellte sich seinen neuen Regierungssitz als gigantische, mit Wällen bewehrte Ringfestung vor. Bevor sie errichtet wurde, befahl er seiner Armee von Arbeitern, einen Graben auszuheben, um so die geplanten ringförmigen Fundamente der Stadt zu markieren. Öl wurde in den Graben gegossen und angezündet, während al-Mansūr dem lodernden Schauspiel auf einer erhöhten Stelle mit Blick über den Tigris beiwohnte.

„Wer weiß, welche Halluzinationen der Macht aus diesem leuchtenden Flammenkreis emporstiegen?”, schrieb Ken Hollings, der Autor von Destroy All Monsters.

In Dubai wachsen vier riesige geschwungene Türme, die an flackernde Kerzenflammen erinnern, wie Luftspiegelungen aus dem Dunst der Wüste, und werfen Licht und Schatten auf das noch nicht vollendete 25-Milliarden-Dollar-Projekt Lagoons development.

Tausende Kilometer entfernt kräuseln sich die Türme von Amerikas Denkmal des Kapitalismus, Las Vegas, in der Hitze: Caesar’s Palace, das Excalibur, der Imperial Palace, das MGM Grand, die Große Pyramide des Luxor – ein tief in die amerikanischen Wüste eingraviertes postmodernes Simulakrum ägyptischer Monumentalität.

1886 symbolisierte der französische Bildhauer Frédéric-Auguste Bartholdi die USA in Form der Freiheitsstatue als Fackelhalterin, die fähig ist, der Welt Licht zu bringen. Aber eine Fackel zu halten und blind zu sein, schließt sich nicht aus; Liberty wendet New York den Rücken zu. „Es ist so wunderschön. Die Lichter gehen an, die Sterne kommen raus, und es wiegt einen sanft. Es ist wie Flash Gordon, der ins All fliegt.“ Das hat Andy Warhol einmal gesagt, während er auf New York blickte – nicht zur Freiheitsstatue, sondern Richtung Empire State Building, dem er in seinem Film Empire von 1964 ein Denkmal gesetzt hat, als Acht-Stunden-Ständer.

Denkmäler brauchen, wie es scheint, keine Größe, nur das Drama des Lichts.

Im August 1989 errichtete Saddam Hussein den Triumphbogen – zwei gigantische, nach seinem Modell geformte Arme, die aus dem Boden hervorschießen und zwei sich kreuzende, silbern glitzernde, aus dem Stahl eingeschmolzener irakischer Waffen gegossene Krummschwerter halten. „Der Boden öffnet sich“, sagte Saddam, „und aus ihm ragt der Arm empor, der das Schwert trägt, Symbol für Macht und Entschlossenheit.“

23 Jahre später erwuchs eine Statue aus 50 Stahlsäulen aus dem Staub außerhalb einer kleinen Stadt in KwaZulu-Natal, Südafrika. Zum Gedenken an Nelson Mandelas Verhaftung errichtet, bezeichnen ihre vertikalen Stäbe sowohl Haft als auch Freiheit: „Die Struktur strahlt wie eine Lichtexplosion, die den politischen Aufstand vieler Menschen und Solidarität symbolisiert“, sagt ihr Urheber Marco Cianfanelli.

Im Januar 2014 verlangte die südafrikanische Regierung, dass die Bildhauer, die die neun Meter hohe, rund acht Millionen Rand teure Skulptur Nelson Mandelas in Pretoria errichtet haben, den winzigen Hasen entfernen, den sie heimlich in eines von Mandelas bronzenen Ohren gesteckt hatten. Andre Prinsloo und Ruhan Janse van Vuuren gaben an, das Bronzehäschen als diskrete Signatur hinzugefügt zu haben. Was aber, wenn der Hase der Realität entsprach? Was, wenn er wirklich dort war, mit seinen erhobenen Pfötchen und seinem einen Schlappohr im Gehörgang des ehemaligen Präsidenten steckte und dem größten Führer der Welt Geheimnisse und Ratschläge zuflüsterte?

Mandela ist keinesfalls allein. Hinten im Sockel von Michelangelos Statue Sterbender Sklave, zwischen 1613 und 1616 für das Grab von Papst Julius II. entstanden, ist ein Affe versteckt. Affen symbolisieren Sünde. Gestand Michelangelo damit die sexuelle Wesensart seines bewusstlos werdenden, ekstatischen männlichen Aktes ein? Oder wollte er vielleicht andeuten, dass Papst Julius ein Mann niederer Begierden war?

In seiner Kurzgeschichte "Propaganda by Monuments" zeichnet der südafrikanische Autor Ivan Vladislavic ein Szenario, in dem sich der Besitzer einer Johannesburger Shebeen eine von Russlands „überlebensgroßen“ Leninstatuen sichert, um damit seine Räumlichkeiten zu dekorieren. Die Geschichte endet damit, dass der Besitzer der illegalen Kneipe den gigantischen Bronzekopf des südafrikanischen Premierministers J. G. Strijdom in Pretoria besucht. Von Ferne auf den riesigen schwankenden Kopf starrend, der auf einem winzigen Sockel schwebt und den Gesetzen der Schwerkraft zu spotten scheint, beginnt Khumalo „zu verstehen, wie, aber nicht unbedingt weshalb, das Unmögliche sich ereignet hat“.

In den frühen 1980er-Jahren mietete der Chilenische Dichter Raúl Zurita Flugzeuge, um damit Auszüge aus seinem Gedicht „The New Life“ in den Himmel über Manhattan zu schreiben. „Ursprünglich versuchten wir es in Santiago mit der chilenischen Luftwaffe“, sagte Zurita, „weil ich dachte, wenn dieselben Typen, die Salvador Allendes Präsidentenpalast bombardiert und Augusto Pinochet eingesetzt haben, in der Lage sind, ein Gedicht an den Himmel zu schreiben, dann würde das beweisen, dass Kunst in der Lage ist, die Welt zu verändern.“

Später pflügte Zurita die Wendung "Ni Pena Ni Miedo" [Weder Schmerz noch Furcht] in Chiles Atacama Wüste. Das Gedicht ist noch heute sichtbar, weil Kinder aus der benachbarten Stadt Schaufeln in die Wüste bringen und den Sand, aus dem die Buchstaben geformt wurden, immer wieder aufschippen.

Die Menschenmassen, die am 9. April 2004 im Irak auf den Platz des Paradieses fluteten, um den Sturz der berühmtesten Statue Saddam Husseins zu sehen, fühlten wenig Solidarität mit den verantwortlichen US-Truppen. Sie protestierten, als ein Soldat Saddams Gesicht mit einer US-Flagge verhüllte, und brüllten vor Zustimmung, als sie durch die alte irakische Fahne ersetzt wurde. Das Denkmal war nur eine von vielen Ikonen der Baath-Ära, die zerstört wurden: Auf Wandgemälden wurden die Gesichter entfernt, Statuen wurden gestürzt, Denkmäler dezimiert, während der amerikanische „Shock and Awe“-Blitzkrieg mehr als 504 Marschflugkörper über den irakischen Himmel schickte.

Für den Zuschauer vor dem heimischen Fernseher ist ein Marschflugkörper nichts als ein brennender Lichtpunkt am nächtlichen Himmel. Aber wenn die Rakete sich ihrem Ziel nähert, überträgt die Kamera in ihrer Spitze ein Livebild in Sendequalität von der Einschlagstelle. Der Augenblick, in dem sie einschlägt, ist auch der Augenblick, in dem die Bildübertragung aufhört Eben der Akt des Erinnerns wird ein Akt des Vergessens.

„Städte“, schreibt Hollings, „tragen den Plan ihrer eigenen Ruinen in sich“.

Im Sommer 1999 verteidigte Mohammed Atta, der später einer der Anführer der Angriffe des 11. September auf das World Trade Centre in New York wurde, eine Diplomarbeit, die Kritik an der Einführung von Wolkenkratzern im Nahen Osten übte, und rief zu einer Rückkehr zur „am Islam orientierten Stadt“ auf. Was, wenn es bei 9/11 ebenso sehr um Architekturkritik, um architektonischen Aktivismus, ging wie um religiösen Terrorismus?

Zwei riesige aufrechte Sarkophage stehen außerhalb von Bamiyan in Afghanistan, geleert wie Gräber seit März 2000, als die Taliban die monumentalen Statuen der Buddhas sprengten, die dort seit mehr als fünfzehnhundert Jahren standen. Nichts ist von diesen Kolossalskulpturen geblieben als alles durchdringender Staub.

Zunächst mieden die Taliban, die in die Gegend vorrückten, die Buddhas. Da sie lange als Waffendeponie genutzt wurden, glaubte man, sie seien mit Sprengfallen versehen. „Verflucht“, sagten die Taliban. Schließlich griffen sie mit schweren Waffen an. Buddha verlor ein Bein, blieb aber stehen. Zum Schluss verwendeten sie Dynamit und Raketen. Ein Dorfbewohner, der die Zerstörung mit ansah, sagte: „Wenn Buddha nicht überleben kann, wie soll ich das?“

In einer trockenen, von der Sonne verbrannten Landschaft arbeitet schweigend eine Armee von Männern. Ein Haus mit dünnen, aus getrocknetem Lehm errichteten Wänden fällt in sich zusammen. Stein, Lehm, Ton: Geduldig, einen nach dem anderen, reißen sie die alten Sufi-Schreine in Timbuktu ein. Die Aufgabe scheint nie zu enden. Wie der Autor Teju Cole uns erinnert: „Es ist eine Menge Arbeit nötig, um schweigende Dinge zum Schweigen zu bringen.“

Combattant Mboua Massock hat ein Jahrzehnt lang dafür gekämpft, eine aus der Kolonialzeit stammende Statue eines französischen Marschalls niederzureißen, die noch mehr als fünfzig Jahre nach der Unabhängigkeit in Douala stand.
„Es gibt kaum eine Statue, die nicht die Zeit zurückzuschrauben will“, tweetet Achille Mbembe. „Koloniale Bildnisse zeugen von dieser stummen Genealogie.“ Lang anhaltende Vorherrschaft, so scheint es, schreibt sich in die Räume ein, in denen Menschen leben, und hinterlässt Spuren in ihrem Imaginären.
2001 hatte Massock schließlich genug davon, zum Handeln aufzurufen, und nahm die Sache selber in die Hand. Mit einem Gewicht bewaffnet, schlug er dem Bildnis des französischen Marschalls mehrfach ins Gesicht. Aber der Marschall war in Bronze gegossen, und nur seine Nase litt, so dass sie jetzt aus den Fugen geraten scheint.

Die Zeit ist aus den Fugen geraten im Roman Verschlungenes Leben des kongolesischen Schriftstellers Sony Labou Tansi. In diesem Buch wird eine imaginäre Nation von der geisterhaften Anwesenheit ihres verstorbenen Führers heimgesucht, der sich weigert zu sterben. Das neue autokratische Regime versucht ihn durch ein Feuerurteil zum Schweigen zu bringen. Denkmäler und Kunstwerke werden verbrannt. Tonnen und Tonnen von Büchern. Am Ende verbrennen die Zensoren alles, was ihnen unter die Augen kommt, weil sie keine Zeit haben zu lesen (und die meisten von ihnen nicht lesen können).

Kann ein Buch ein Denkmal sein? Ein Jahr vor seinem Tod sagte Labou Tansi in L’autre monde: „Ich weiß nicht, wo es Risse im Bauwerk gibt, wo es hält, was verschwindet, was bleibt, was schmollt, was lügt, was betrügt ... Ich möchte das Bauwerk. Dass es in den Himmel schießt, jedes Wort ein Stein, eine Stirnoglyphe, endlose Labyrinthe, das bedeutet es, zu schaffen.“

Die Zeit ist auch in Südafrika aus den Fugen. Seit dem Ende der weißen Vorherrschaft 1994 haben die Namen von Orten sich kaum verändert – Städte, Townships, Plätze, Boulevards und Prachtstraßen haben ihre alten Namen behalten. Noch heute kann man über die Verwoerd Avenue, benannt nach dem Architekten der Apartheid, auf sein Büro zusteuern, dann in einem Restaurant am John Vorster Boulevard essen gehen und über die Louis Botha Avenue fahren.

Für seine Arbeit Balumuka [Hinterhalt] (2010) hat der angolanische Künstler Kiluanji Kia Henda ein Freiluft-Depot in Luanda fotografiert, ein ebenso metaphorischer wie physischer Friedhof für zahlreiche Denkmäler, die im Laufe der Geschichte überall im Land wie Säulen aufgestellt worden waren. Unter den Bewohnern dieses Friedhofs der Geschichte befindet sich eine Statue von Königin Mzinga Mbande, die Angola im 17. Jahrhundert regierte – sie steht ernst in einem umschlossenen Garten, ironischerweise vis-à-vis einigen der Hauptfiguren des Kolonialismus, unter anderem Vaz de Camões, Dom Afonso Henriques und Pedro Ànvadres Cabral.

Der Umgang mit kolonialen Denkmälern in afrikanischen Städten „stellt das genaue Gegenmodell zu dem dar, wie sich eine Gemeinschaft ihren Toten gegenüber verhalten sollte“, sagt Achille Mbembe. Er schlägt vor, dass

wir in jedem afrikanischen Land eine sorgfältige Bestandsaufnahme aller kolonialen Statuen und Denkmäler vornehmen. Wir sollten sie in einem einzigen Park versammeln, der als Museum für kommende Generationen dienen wird. Dieser panafrikanische Park mit Museum wird als symbolisches Grab des Kolonialismus auf unserem Kontinent dienen. Wenn wir dieses Begräbnis einmal durchgeführt haben, lasst uns [...] versprechen, dass wir niemals mehr Statuen für irgend jemanden errichten. Lasst uns statt dessen überall Bibliotheken bauen, Theater, Kulturzentren – all das, was von diesem Tag an das kreative Wachstum von morgen nähren wird.

Zurück in Douala, wo ein Denkmal der Freiheit in den Himmel schießt. Im Unterschied zu seinem Gegenstück in New York ist diese Freiheitsstatue aus einem Labyrinth ausrangierter Dinge errichtet: alte Reifen, Auspufftöpfe, verrostete Förderbänder, zerbrochene Glühbirnen. „Die Freiheit ist nichts, das aufgezwungen werden kann oder von dem man erwarten könnte, dass es bleibt“, erklärt sein Schöpfer, Joseph Francis Sumegne. „Sie ist ein prekäres Ding, ein Produkt ständiger Assemblage höchst heterogener Elemente – und sorgt doch dafür, dass die Welt in der Schwebe bleibt.“

Am 25. Mai 2006 startete Icarus 13 in Angola, die erste Weltraummission zur Sonne. Den Astronauten zufolge hat die Sonne (wie Warhols Vegas) „die wundervollste Nacht“. Ihre Reise wird durch den Künstler Kiluanji Kia Henda in einer anderen Arbeit, Icarus 13 (2008), dokumentiert. Hendas Bilder für das Projekt zeigen in Wahrheit Staatsgebäude in Luanda. Modell für die Icarus 13-Raumsonde stand das unvollendete, von Russland erbaute Mausoleum für António Agostinho Neto in Luanda, das Henda fotografierte. Das „Astronomische Observatorium“ ist ein weiteres unvollendetes Gebäude, diesmal ein Kino aus der Kolonialzeit. Und die Szene des Starts ist in Wirklichkeit ein Bild von den Feiern, die ausbrachen, als Angolas Fußballnationalmannschaft sich für die WM 2006 qualifizierte.

In der Nähe der Strände von Luanda bauen die Russen ein großes Mausoleum zu Ehren der sterblichen Überreste des Kameraden Präsidenten. Es ist 1980, ein Jahr nach Netos Tod. In der Stadt flüstern sich die Menschen zu, man werde die Häuser sprengen, um für das Mausoleum Platz zu machen, und jeder werde gehen müssen. Könnten die Kinder Luandas das Dynamit der Russen stehlen und so ihr Zuhause retten?, fragt der angolanische Autor Ondjaki in seinem Roman AvóDezanove e o segredo do soviético.

Der neue Konferenz- und Bürokomplex der Afrikanischen Union wurde an der Stelle errichtet, wo Äthiopiens früheres Zentralgefängnis stand, das offiziell Akaki hieß, aber in Äthiopien unter dem Namen Alem Bekagn oder „Leb wohl, Welt“ bekannt war. Als solches ist er ebenfalls ein Friedhof. In Frankreich, sagt uns Jean Baudrillard, sind alle Denkmäler Mausoleen: die Pyramide, der Triumphbogen, das Musée d’Orsay, die Très Grande Bibliothèque, der Kenotaph der Kultur. Und dabei ist die Revolution noch gar nicht erwähnt, ist sie ein Denkmal in und für sich selbst, wie Louis Mermaz sagt: „Revolution steht heute in Frankreich nicht auf der Tagesordnung, weil die große Revolution bereits stattgefunden hat.“

Es gibt, so scheint es, zwei Arten des Vergessens: entweder durch langsame bzw. gewaltsame Auslöschung der Erinnerung, oder durch ein Vordringen des Spektakels, den Übergang des historischen Raums in einen Raum der Propaganda und der Werbung.

„Es gibt nichts auf der Welt, was so unsichtbar wäre wie Denkmäler“, schrieb Robert Musil bekanntlich und ermahnte die Denkmäler, „sich heute, wie wir es alle tun müssen, etwas mehr an[zu]strengen!“

Das Mansudae Art Studio ist eine nordkoreanische Firma, die sich vorwiegend der Vergötterung des Ewigen Präsidenten der Republik durch öffentliche Arbeiten widmet. Seit den 1970er-Jahren hat es auch bedeutende Denkmäler, Statuen und Regierungsgebäude in Ländern überall in Afrika errichtet, darunter Senegal, Botswana, Zimbabwe, Angola, Ruanda, Äthiopien, DRC, Tansania, Mali und Tschad.
2010 vollendete die Firma das 53 Meter hohe African Renaissance Monument, das der senegalesische Präsident Abdoulaye Wade in Auftrag gegeben hatte. Errichtet auf einem Hügel außerhalb von Dakar, erregte die hoch aufragende Statue weithin Proteste. Kritiker nannten sie ein „ökonomisches Monstrum“, das den „machistischen Sexismus afrikanischer autoritärer Führer“ repräsentiere. Für die koreanischen Auftragnehmer, die damit beschäftigt waren, die Arbeiten im Mansudae Art Studio zu vollenden – viele von ihnen haben eine Ausbildung an den bedeutendsten Kunstakademien des Landes erhalten –, ist es eine utopische, an die lange Tradition des sowjetischen Realismus anknüpfende Vision, von der sie hoffen, dass sie den Träumen der Menschen in Afrika eine Stimme verleihen wird.

Kinshasas am häufigsten zitierte Ikone der Moderne, ein riesiger Turm aus Stahl und Beton – ein Denkmal zu Ehren von Patrice Lumumba – wurde in der Ära Mobutu errichtet. Ihr kam im politischen Diskurs unter den beiden Kabilas, Vater und Sohn, zentrale Bedeutung zu.

Im Sommer 1997, auf den Tag zwanzig Jahre nachdem der Aktivist der Black-Consciousness-Bewegung Steve Biko durch Agenten des Apartheidstaates ermordet wurde, enthüllte Präsident Nelson Mandela eine Bronzestatue Bikos in East-London, Südafrika. Die Statue wurde unter anderem finanziert von den Oscar-Preisträgern Denzel Washington und Kevin Kline. Hollywood und die Unterhaltungsindustrie finanzieren schon seit langem Denkmäler. Im September 1990 spürte eine archäologische Expedition die Überreste des Palasts von Ramses dem Großen auf; eine monumentale Filmkulisse, die 1923 für Hollywoods erstes Bibel-Epos Die zehn Gebote errichtet wurde.

1956 drückte sein Regisseur Cecil B. De Mille die Hoffnung aus, in tausend Jahren möge die Entdeckung des Filmsets Wissenschaftler nicht zu der irrigen Annahme verleiten, die Ägyptische Zivilisation habe sich bis nach Nordamerika ausgebreitet.

In Tunesien bieten amerikanische Tourveranstalter jetzt Star Wars-location spottings der über die Wüste verstreuten Science-fiction-Denkmäler an, in der vier Filme der Star Wars-Serie gedreht wurden. Ein monumentaler Godzilla posiert in Tokyo. Der unangefochtene König der Monsterfilme hat immer eine Spur in der Skyline der Stadt hinterlassen; in zahllosen Filmen kommt er immer und immer wieder, um sie jedes Mal in Schutt und Asche zu legen.

1997 spendete der Popstar Michael Jackson eine der acht Meter hohen Statuen, die seine Welttournee bewerben sollten, der Stadt Johannesburg, die sie in einem seltenen Anflug von Humor im Santarama Miniland aufstellte, einem heruntergekommenen, 1973 erbauten Miniaturthemenpark. In Militärkleidung, die Fäuste geballt, in die Ferne blickend, sieht Jackson bedrohlich aus, wie ein vergessener Kämpfer des militärischen Arms des ANC, der auf den Befehl zur Invasion des heruntergekommenen Miniatur-Jo'burg aus der Apartheidära wartet, das zu seinen Füßen liegt.

Lecture-performance, gehalten auf der FUTURE MEMORIES -Konferenz, Addis Abeba, 16. September 2014.

Übersetzung aus dem Englischen von Bernd Klöckener.

Zitierte Werke

BAUDRILLARD, Jean: Die Illusion des Endes oder der Streik der Ereignisse. Berlin 1994.
COLE, Teju: “Break it Down.” In: The New Inquiry, 3 July 2012.  http://thenewinquiry.com/blogs/dtake/break-it-down/ (15.1.2015).
Empire, Andy Warhol, 1964, 16mm, 485’.
HOLLINGS, Ken: Destroy All Monsters. London 2001.
LABOU TANSI, Sony: Verschlungenes Leben. Aus dem Französischen von Bettina Kobold. Zürich 1981. (La vie et demie, 1979).
LABOU TANSI, Sony: L’autre monde. Textes inédits. Paris 1997.
MBEMBE, Achille: Critique de la raison nègre. Paris 2013.
MUSIL, Robert: Nachlass zu Lebzeiten. Zürich 1936.
ONDJAKI: AvòDezanove e o Segredo do Soviético, 2008). Alfragide 2008.
The Ten Commandments (Die zehn Gebote), Cecil B. De Mille, 1923, 35mm, 136’.
Star Wars, George Lucas, 6 Episoden, 1977 ff.
VLADISLAVIC, Ivan: Propaganda by monuments and other stories. Kapstadt 1996.
Stacy Hardy ist Schriftstellerin und lebt in Kapstadt. Zur Zeit ist sie Mitherausgeberin des panafrikanischen Magazins Chimurenga. Ihre Texte sind in Donga, Pocko Times, Art South Africa, Ctheory, Black Warrior Review, Evergreen Review und Chimurenga erschienen. Ihr Kurzfilm I Love You Jet Li, entstanden in Zusammenarbeit mit Jaco Bouwer, wurde in der Video-Sektion der transmediale 06 gezeigt und 2006 auf dem Festival des InterFestival Chileno Internacional Del Cortometraje De Santiago als bester Experimentalfilm ausgezeichnet. Eine Sammlung ihrer literarischen Texte wird in Kürze bei Pocko Editions, London, erscheinen.

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